Unsere Geschichte

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Eine historische Schwarz-Weiß-Strichzeichnung der Sophienkirche in Wuppertal mit ihrem markanten Kirchturm und neugotischer Architektur.

Rasanter Anstieg der Bevölkerung im 19. Jahrhundert

 

Als die Bevölkerungszahl ab Beginn des 19. Jahrhunderts rasant durch die blühende Garn- und Bleicherwirtschaft im Tal anstieg, dehnte sich Elberfeld strahlenförmig zunächst bis an den Fuß der umliegenden Höhenzüge aus, später dann auch auf diese hinauf. Eine Stadterweiterung nach Westen wurde systematisch als repräsentative Straße mit großem Platz geplant. Zum einen sollte so die bis dahin gefährliche Wegeführung nach Westen am Fuße des Nützenberges entschärft werden – eine wichtige Verbindung zum Rhein – , zum anderen sollte so nahe des alten Stadtzentrums ein neues Wohnquartier entstehen.

Buntglasfenster mit farbigen Lichtreflexionen an einer Kirchenwand.

Foto – Silvia Fischer
Das wunderschön leuchtende Südfenster wurde von dem Wuppertaler Maler u. Grafiker Prof. Ernst Oberhoff gestaltet.

 

Stadterweiterung nach Westen

 

1826 wurde der Königsplatz, heutiger Laurentiusplatz, angelegt, an dessen Nordachse die neue katholische Kirche gebaut wurde (1829-1835). 1840 war der Ausbau der Königstraße (heutige Friedrich-Ebert-Straße) bis Sonnborn beendet. Wohnten vordem die vornehmen Elberfelder östliche des Stadtkerns um den Hofkamp, so bauten sie sich nun im westlichen Stadtgebiet, am Mäuerchen, an der Aue oder eben an der Königstraße repräsentative Häuser.

 

Überfüllte Kirchen

 

Durch die rasante Bevölkerungszunahme boten auch die Kirchen für die vielen Menschen zu wenig Raum. Die lutherische Gemeinde hatte zusätzlich zu der Alten lutherischen Kirche am Kolk in der Friedrichstraße 1847 bis 1850 ihre zweite lutherische Kirche, die Kreuzkirche, gebaut. Auch die reformierte Gemeinde entschloss sich zum Bau einer zweiten Kirche zusätzlich zu der Alten reformierten Kirche am Kirchplatz. Mit dem Bau dieser zweiten Kirche wurde 1853 begonnen und 1858 vollendet. Da Kirchen reformierter Prägung keine Namen hatten, war dies nun die „Neue (reformierte) Kirche“ neben der Alten (reformierten) Kirche oder auch „Zweite Kirche“ genannt.

 

Die Kirche wird mit freiwilligen Gaben der Gemeindeglieder erbaut

Eine historische handschriftliche Einladung vom 15. März 1858 zur Eröffnung der zweiten reformierten Kirche in Elberfeld.

Einladung zum Eröffnungsgottesdienst 1858

 

Die Pläne für diese Neue Kirche stammten von dem Kölner Dombaumeister Zwirner, von dem auch die reformierte Kirche in Ronsdorf stammt. Die gesamten Baukosten inklusive der Innenausstattung (Orgel, Glocken, übrige Einrichtung) waren veranschlagt mit 98600 Talern, aus denen bis zum Abschluss des Baus 110200 Taler wurden, die größtenteils durch freiwillige Gaben der reformierten Gemeindeglieder aufgebracht wurden. Das Haus des Kirchmeisters der reformierten Gemeinde zur Zeit der Erbauung der Neuen Kirche steht übrigens heute noch am Laurentiusplatz. Der erst Gottesdienst fand in der Neuen Kirche am 26. März 1858 statt.

 

Anfang des Jahrhunderts wurde im Innern der Kirche der Bereich um Kanzel und Orgelpositiv umgebaut und dem Zeitgeschmack entsprechend angepasst. Damals wurde auch eine neue Orgel eingebaut.

 

Im zweiten Weltkrieg wurde die Neue Kirche als eine der wenigen Kirchen in Wuppertal durch Bomben nicht zerstört. Allerdings waren die Glocken kriegsbedingt beschlagnahmt und in der Folge eingeschmolzen worden. Nur die Glocken der Alten reformierten Kirche, die auch schon zum Einschmelzen abgehängt worden waren, waren noch nicht abtransportiert und also noch vorhanden. Diese drei Glocken sind dann bald nach Ende des Krieges in den Turm der Neuen Kirche gehängt worden und läuten seitdem zum Gottesdienst.

Froschperspektive einer großen Orgel mit silber- und bronzefarbenen Pfeifen in einem weißen, geometrischen Gehäuse.

Großer Umbau 1960/1961

 

Die 3-manualige Orgel des Orgelbauers Willy P e t e r aus Köln mit ihren 34 Registern, deren mächtiger Prospekt seit dem Umbau die Stirnwand bestimmt, wird erst später eingebaut.

 

1960/61 war die Situation der Gemeinde wieder eine andere: deutlich weniger Besucher kamen zum Gottesdienst und zusätzlich wurde weiterer Raum gebraucht für die Gemeindearbeit. So entschloss sich das damalige Presbyterium zu einer aus heutiger Sicht radikalen Lösung. Die Kirche erhielt auf der Höhe der Emporen eine Zwischendecke aus Beton. Damit reduzierte sich die Platzzahl von einmal 1300 Sitzplätze auf 800 Plätze – schon jetzt wurden keine Bänke mehr verwendet, sondern Stühle. So war nun der Kirchraum im 1. Obergeschoss und das Erdgeschoss wurde in den folgenden Jahren für Gemeindegruppen weiter ausgebaut. So entstanden die sogenannte Teestube, die Altenstube, eine Küche, ein Stuhllager, ein Jugendraum und Toiletten, die sich um einen großen Saal gruppieren.

Innenansicht der Sophienkirche mit warmem Licht und modernen Holzstühlen, die quadratisch um einen zentralen Abendmahlstisch angeordnet sind.

Jüngere Geschichte der Gemeinde

Bis 1981 existi erten die reformierten und lutherischen Kirchengemeinden nebeneinander. Die Menschen wurden zunächst je nach ihrer Konfession der einen oder anderen Gemeinde zugeordnet. Später kam eine Aufteilung nach Gebieten und Straßen hinzu. Die Zuständigkeiten im Rahmen der Seelsorge und der Amtshandlungen wurden in der durch den zweiten Weltkrieg völlig veränderten Stadt und ihrer Bevölkerung immer schwieriger und unklarer. Das gab den Anlass, die Aufteilung in die einzelnen Gemeinden zu verändern und jetzt in sich geschlossene und zusammenhängende Gebiete zu schaffen, die zu einer jeweiligen Kirchengemeinde gehören. So entstand die Evangelische Kirchengemeinde Elberfeld-West mit damals 7 Predigtstätten. Neben der Neuen Kirche waren dies vor allem die Trinitatiskirche am Arrenberg, die Michaelskirche im Brill und die Stephanuskirche auf dem Nützenberg.

 

Umbau Mitte der 80er Jahre: Räume im Raum

 

Mitte der 80er Jahre wurde der Kirchraum der Neuen Kirche erneut umgebaut – auch jetzt wurden nicht mehr 800 Plätze benötigt – und der neuen Gemeindesituation angepasst.
Das Zentrum des Kirchraums wurde durch eine ca. 1 Meter hohe Mauer oder Brüstung akzentuiert, so dass auch hier ein Raum im Raum entstand und der Gottesdienstraum für große wie für kleine Formate nutzbar wurde.

Ein moderner, weißer Rundpavillon aus Glas im Kirchenraum, umgeben von Holzstühlen und traditionellen Buntglasfenstern.

Blick aus dem schallgeschützten Kinderhaus auf Abendmahltisch und Kanzel

 

Es kam das sogenannte Kinderhaus – ein Raum im Raum – hinzu. Hierhin können sich Familien mit ihren Kleinkindern zurückziehen. Die Kinder können spielen und die Erwachsenen können durch große Fensterscheiben und durch die Sprachübertragung den Gottesdienst dennoch mitfeiern.

 

Jüngste Gemeindegeschichte ab Ende der 90er Jahre. Reduzierung der Gottesdienststätten

Ende der 90er Jahre musste aufgrund der weniger werdenden Gemeindemitglieder die Anzahl der Gottesdienststätten reduziert werden. Die Trinitatiskirche wurde 1998 geschlossen und die Gemeindemitglieder am Arrenberg zur Neuen Kirche eingeladen. Ende April 2006 wurde die Michaelskirche und Ende April 2007 das Gemeindezentrum Stephanuskirche geschlossen. Die Neue Kirche ist seitdem die einzige Gottesdienststätte. Kleinere Umgestaltungen waren die Folge: eine Osterkerze wurde neben der Kanzel auf einem Ständer aus der Michaelskirche aufgestellt und ein Kreuz mit Elementen aus dem Kreuz der Stephanuskirche fand hinter der Kanzel an der Wand seinen Platz: alle je konfessionell geprägten Gemeindemitglieder sollten einen Anknüpfungspunkt im Gottesdienstraum vorfinden.